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02.04.2025 Kategorie: Konzerte, Musik

Vorösterliche Freude bei Gloria & Gospel

Pressebericht zur Weddeler Abendmusik

Lätare – „Freuet euch“! So heißt der 4. Sonntag der Passionszeit, auch das „kleine Ostern“ genannt. Für die Menschen, die in der Passionszeit fasten, ist nun das Bergfest erreicht, die Osterfreude ist in Sicht. In der Christuskirche Weddel wird dies durch einen kleinen rosa Schal, der zum lilafarbenen Parament der Passionszeit gelegt wird, angedeutet. Und freudig sang auch der Chor Cantamus der Christuskirche Weddel gleich zu Beginn das Gloria der estnischen Zeitgenössin Piret Rips, die dieses Werk 2010 für ein Chorfest in Wolfenbüttel komponiert hat. Cantamus war damals an der Aufführung in der Trinitatiskirche beteiligt. Chorleiterin Petra Diepenthal-Fuder wies gleich zu Beginn des Konzertes darauf hin, dass lauter Werke von lebenden Zeitgenossen gesungen und gespielt werden. Das Älteste waren letztlich die Gospel, allerdings in neuen Arrangements mit viel Power – nicht nur das Gleichnamige – vorgetragen. Esther Stichel-Eißfeldt bestach mit ihrem souligen Mezzosopran bei O happy day, Andreas Timmermann und Ralf Garzmann begleiteten einen Teil der Gospel mit groovigem Feeling. Im Mittelpunkt des Chorgesangs stand die Kleine deutsche Messe von Johann Matthias Michel, die zwischen elegischen Momenten wie im Kyrie und Agnus Dei und lauten Halleluja- und Hosianna-Rufen, die an Turbachören aus den Passionen erinnerten, hin und her switchte. Ein Werk, das das existentielle Moment der Passionsgeschichte musikalisch einfängt dank seiner lebendigen Rhythmik und einer raffinierten, teils vom Jazz inspirierten Harmonik. Der Chor wurde am Klavier dabei von Pia-Cécile Kühne, Propsteikantorin in Salzgitter-Bad, gefühlvoll begleitet. Ebenso wie bei einem populären Stück der zeitgenössischen englischen Chormusik, „Look at the world“ von John Rutter, in der die Schönheit der Schöpfung in der musikalischen Tradition englischer Hymnik besungen wird und Chöre und Zuhörende gleichermaßen beseelt. Bei den Orgelstücken, die als Intermezzi zwischen den Chorwerken erklangen, hatte Pia-Cécile Kühne ebenso das Motto „Freuet euch!“ aufgegriffen. Eine von schottischer Tanzmusik inspirierte Komposition für Orgel (Hans-André Stamm) über ein Liebesgedicht „O red, red rose“ des schottischen Nationaldichters Robert Burns und eine französische Musette, in die der Choral „Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ eingewebt war (Traugott Fünfgeld), ließen das Publikum innerlich mittanzen. Das Konzert in der Passionszeit ganz anderer Art bewegte die Zuhörerschaft sehr und schenkte den Musizierenden einen lang anhaltenden Applaus, dem mit einem rockigen Gospel „Rock-a my soul“ gedankt wurde.

Beitrag von Dr. Petra Diepenthal-Fuder